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Tarp ultraleicht

 

Ultraleichtes Tarp, Single Wall oder Leichtzelt?

Text und Fotos: Henrik Raßmann

 

Ein entscheidender Vorteil eines ultraleichten Single-Wall Zeltes gegenüber dem doppelwandigen Leichtzelt ist das Gewicht.

 

Ein Nachteil ist das mögliche Auftreten von Kondenswasser. Das Leichtzelt allerdings bietet bei einem Mehr an Gewicht, je nach Ausstattung, einen sehr komfortablen Wetterschutz zu allen Jahreszeiten und Wetterbedingungen.

 

ultraleichtes Zelt von Gossamer Gear: THE ONE

 

Ein Tarp dagegen ist noch leichter als das einwandige Zelt, aber meistens auch luftiger.  Das kann im Frühling und Sommer angenehm sein. Unter dem ultraleichten Tarp kann man mit ein wenig Erfahrung auch in Herbst und Winter gut übernachten.

 

Kondenswasser bildet sich gerne, wenn es draussen kälter ist und die Atemluft sich an der Innenseite niederschlägt. Auch aufsteigende Feuchtigkeit nach Regen oder von einer feuchten Wiese kann dazu führen, genauso wie fehlender Luftzug.

 

Wenn Wind oder Regen am Zelt rütteln, kann es innen tropfen. Unangenehm wird es beim Einsatz eines ultraleichten Daunenschlafsackes. Wenn dessen Außenhülle aber wasserfest  ist, oder man ein Bivi nutzt, kann man sich beruhigt in der umdrehen und weiterschlafen.

 

Mit einem kleinen ultraleichten, lappenähnlichen Schwamm für den Küchengebrauch kann man leicht Kondenswasser aufnehmen und aus dem Zelt transportieren, Wasserlachen vermeiden und anderntags die Trocknung beschleunigen, indem man das Zelt von außen und innen damit abtrocknet.

 

Regenschirm und Regenjacke können auch griffbereit neben einem liegen. Gerade wenn es am Morgen am Zelt rüttelt, kann man notfalls den Schirm spannen, die Jacke über das Fußteil werfen und erstmal richtig wach werden, bevor man sich dem Tag widmet.

 

Um weiter Gewicht bei Zelt oder Tarp zu sparen, lasse ich bis auf den Hauptpacksack, alle zusätzlichen Packbeutel weg und nehme nur die wirklich notwendige Zahl an Heringen und Abspannleinen mit. Notfalls kann man für eine zusätzliche Abspannung einen Hering aus Naturmaterialien improvisieren.

 

Eine ultraleichte Zeltunterlage nehme ich nur aus einem Grund mit, um mein Lager vor Feuchtigkeit von unten zu schützen. Das kann eine ultraleichte Rettungsfolie sein oder ein Poncho oder eine zusätzliche Lage trockener Blätter.

 

            Welcher Platz ist der Richtige?


Aus meiner Praxis als Wildnis-Guide weiß ich, dass ein Camp aufzubauen Erfahrungssache ist. Konsequenzen für kleinen Aufbau-Fehler sind meistens Rückenschmerzen, Wasserlachen oder übereinander gerollte Schläfer.

 

     

 

Ich persönlich unterscheide zwischen sogenannten Genuss-Touren, vornehmlich an verlängerten Wochenenden oder Touren mit einem eher sportlichen Ansatz, bei dem ich erst nach der Zielerreichung einen Platz suche.

 

Da ich persönlich auch gerne noch ästhetische Aspekte in die Platzwahl einfließen lasse, fange ich in der Regel schon früh am Nachmittag mit der Suche an.

 

Es sei denn, ich habe eine bestimmte Kilometerzahl geplant. Dann richte ich es mir oft so ein, dass ich nach der Abendmahlzeit noch ein wenig unterwegs bin und mir dann ein Platz für die Nacht suche. Auch auf die Gefahr hin improvisieren zu müssen.

 

Camp am See 

 

Hauptanforderungen an einen richtig guten Platz können folgende 7 Punkte sein:

I.    Witterungsschutz
II.   Vorhandensein von Trinkwasser
III.  Boden- und Umweltbeschaffenheit
IV.  Evtl. Vorhandensein von Feuerholz
V.   Himmelsrichtung/Stellung zur Sonne
VI.  Aussicht aus dem Camp
VII. Einsicht in das Camp

 

Der Schutz vor der Witterung ist am elementarsten. Wind bringt uns Regen oder kühlt uns nur durch seine Anwesenheit aus. Also erst mal raus aus dem Wind.

 

Da Regen auch mal waagerecht auf das Tarp peitschen kann, sollte man es mit dem Windschutz  sehr ernst nehmen. Für den Tarp-Nutzer ist dichtes Unterholz mit einem leichten Windzug eher besser. Zelte mit dem Eingang im Windschatten schützen notfalls auch in exponierten Lagen.

 

Die Windrichtung zu beachten, hat neben dem reinen Wetterschutz noch mehrere Vorteile. Ein kleiner Windzug hilft gegen allzu nervige Mücken in der Nacht und sorgt zudem auch für Lüftung im Zelt und unter dem Tarp. So wird der Kondenswasserbildung vorgebeugt.

 

Allerdings kann der Windzug auch Funken und Gerüche transportieren. Das gilt es bei der Wahl der Feuerstelle und der Toilette zu beachten. Nicht selten bekommen Wind- und Regenjacken so ihr erstes Brandloch. Kunstfasern fangen zudem schell Feuer. Von schweren Verbrennungen eines Wanderers hat mir ein befreundeter Guide aus den Tiefen der kanadischen Wildnis berichtet.

 

Sich nach der Windrichtung zu orientieren ist zudem dann effektiv, wenn man vorausschauen kann, wie diese die nächsten Stunden bis zum Morgen bleibt. Nicht selten drehen Winde, ob durch lokale Gegebenheiten oder Wetterumschwünge. Sich mit dem Thema Wetter auseinander zu setzten, sollte also auch zu jeder Vorbereitung gehören.

 

 

An großen Seen beispielsweise kann ablandiger Wind abends oder nachts zu auflandigen Wind werden und umgekehrt. Als Wasserswanderer habe ich anfangs Erfahrungen mit plötzlich aufgeblähtem Tarp machen können. Nicht schön, da nachts um 1 Uhr bei Regen noch mal aus den Schlafsack zu kriechen.

 

Wetterumschwünge beispielsweise kündigen sich mit Winddrehungen um 45° innerhalb kürzester Zeit an. So kann die vorherrschende Hauptwindrichtung Nord oder Nordwest plötzlich zu einem Ostwind werden.

 

Selbst wenn das ultraleichte Tarp nach drei Seiten geschlossen ist, kann es so ungünstig der Windlast ausgesetzt sein. Wind oder Regen pfeifen dann ins Lager und ein schnelles Auskühlen selbst im Schlafsack ist vorprogrammiert. Wenn sich also so eine Wetteränderung am Himmel ankündigt, sollte man das in den Aufbau einplanen.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt, ist die Nähe zu trinkbarem Wasser. Es sei denn man booft in der Sächsischen Schweiz oder hat anderswo seinen 2-Liter Wassersack dabei, dann kann man auch mal ein „Trockencamp“ veranstalten.

 

Ich persönlich mag es aber gerne, morgens frisches Wasser zu schöpfen oder mich nur zu erfrischen, sei es nach Dundo Art oder mit einem Sprung in den See, Fluss oder Weiher.

 

 

Trinkbares Wasser findet man in Europa in der Regel in den am weitesten entfernt im Wald oder Gebirge liegenden und in die Haupfließe oder Seen einmündenden Bäche. Je schneller diese fließen, umso besser.

 

Von stillem Wasser sollte man Abstand nehmen. Ebenso kann ein tief im Wald liegender Bach durch ein darin liegendes, verendetes Wild ungenießbar sein. Filtern und desinfizieren ist also eine Pflicht. In Mittelschweden verzichte ich meistens darauf.

 

Bei meinen Reisevorbereitungen plane ich Wassernähe bereits ein, manchmal führen mich so Touren direkt an Fluss- und Seeufern entlang. Das beschert einem in Mitteldeutschland durchaus schöne Weitsichten, wenn ich da an Schaal-See oder Müritz denke.

 

Platz mit Aussicht am See beim Trekking ultraleicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer in einem Bach sein Geschirr oder Körper reinigt, sollte die Trinkwasser-Entnahme­stelle weiter stromaufwärts suchen. Sonst belastet man nicht nur sein eigenes Trinkwasser.

 

Dem geht man aus dem Weg, wenn man seine Waschangelegenheiten mindesten 2 Meter vom Ufer entfernt mit einem Topf oder einer Waschschüssel ohne Seife veranstaltet. Das ist umweltschonender. Dabei fungiert der Waldboden als natürlicher Filter, bevor das Waschwasser zurück in den natürlichen Kreislauf gelangt.

 

 

Wenn man nun das richtige Areal im Windschatten, mit einem leichten Windzug, gefunden hat und Trinkwasser in der Nähe, dann schaue ich mir die Boden- und Umweltbeschaffenheit genauer an. In einer Mulde zu zelten kann feucht werden. Selbst eine plane Fläche an einem seichten Hügel kann bei Regen zur einer Pfütze werden.

 

Ein Platz auf einem Hügel ist besser. Dort ist auch die Aussicht besser und ein Luftzug hält die Mücken fern.

 

Ultraleichtes Tarp mit Ausblick richtig aufbauen 

 

Direkt an einem See zu lagern kann gut gehen. Wenn viel feuchtes Moos oder Sumpf, Erlenbruchwald oder zu dichtes Ufergestrüpp zu finden ist, halten sich da aber bestimmt die Mücken. Wenn Wind weht, mag das im Sommer o.k. sein. Das muss man abschätzen. Eventuell geht man noch ein Stück weiter.

 

 

Böden besitzen je nach Beschaffenheit unterschiedliche Eigenschaften (Wärmeleitfähigkeit, Isolationvermögen). Kann man auf torfigen, sonnenbeschienen und nadelübersäten Waldboden fast ohne Isomatte auskommen, kann eine feuchte Wiese selbst im Sommer empfindlich kalt werden.

 

Deshalb feuchte Untergründe besser meiden. Nicht nur der Mücken wegen, die Ausrüstung kann zudem von unten unnötig feucht werden.

  

 

In Buchen- oder Eichenwäldern finden sich auch gute Böden, vor allem wenn sie mit einer dicken Laubschicht bedeckt sind. Diese Schicht kann man auch noch einmal verstärken, indem man etwas Laub zu einem schönen Himmelbett zusammenklaubt.

 

Reine Sandböden mit Grasbewuchs kühlen auch im Sommer schnell aus, ausgetrocknete, moosbewucherte Waldböden hingegen können wunderbar weich, bequem und trocken sein: bis zum nächsten Regenguss.

 

Wald ist der Wiese eher vorzuziehen, die hügelige Lichtung im Wald eher der dichten Schonung mit vielen Mücken.

 

 

 

Sich den Boden genauer anzuschauen hat den Vorteil, das man Ameisen und Zecken erkennt. Eine Ameise ist nicht schlimm. Meistens sind es aber Autobahnen voll geschäftigem Treiben, gerne in Nadelwäldern. Auch in 100 Metern sind dann welche unterwegs.

 

Auf einem Wildwechsel nächtigen, ist unfair. Das Wild ist auch ein Gewohnheitstier und will nicht gestört werden.

 

 

Gute Plätze sind in oder an dichterem Unterholz zu finden, an Feld- oder Waldrändern. Unter großen Nadelbäumen oder inmitten kleinerer Nadelbäume habe ich bei Regenwetter oft trockene Plätze finden können. Selbst hinter Holzstapeln oder hinter einem Erdwall kann man fündig werden.

 

 

Wir sind in der Platz-Suche vorangeschritten? Ein Seitenblick verrät uns eventuelle Holzvorkommen. Holz auf dem Boden liegend, ist meist feucht. Gut sind Aststücke die nicht auf dem Boden liegen und die man nicht lärmend abbrechen muss.

 

Brauchen wir ein Feuer? Die Frage beantwortet sich je nach Gesetzeslage mit nein. Man nimmt die Nacht im Wald mit oder ohne Kerzenlicht viel intensiver wahr.

 

Aus Umweltschutzgründen und gemäß der Gesetzeslage koche ich nur an ausgewiesenen Stellen über offenem Feuer. Einen Kocher zu benutzen ist fairer und sicherer. Bis vor einigen Jahren habe ich auch bei uns ganz selbstverständlich über dem offenem Feuer gekocht. Die Kocherfrage war somit für mich unwichtig. Leider gibt es immer wieder Ausnahme-Touristen, die eine Reglementierung rechtfertigt.

 

 

Ein nicht unwichtiger Punkt ist die Stellung der Sonne im Camp. Bei Abendrot sein Essen zu genießen, gehört zu den schönen Seiten des Unterwegsseins. Ich persönlich bevorzuge Abend- und Morgensonne. Das mag auf einer weitläufigen Wiese einfach sein.

 

Ein Seeufer beispielsweise hat aber meist eine offene Seeseite und eine geschlossene Waldseite. Die Sonne schafft es je nach Baumbestand nicht immer bis hinunter zum Campground, wenn sie landseitig scheint. Wenn die Sonne abends seeseitig scheint, sollte das morgends anders sein. Es sei denn, man übernachtet auf einer lichten Halbinsel. 

 

 Abends, on the road, beim Trekking ultraleicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Im Winter oder Herbst ist jeder Sonnenstrahl ein schöner Luxus. Der niedrige Sonnenstand reicht dann meist aber nicht aus, um über die vor Wind schützenden Büsche zu scheinen. Auf Schattenwirkung zu achten ist im Sommer vorteilhaft, um nicht schon gegen 6 Uhr früh mit sengender Hitze geweckt zu werden.

 

 

Ich bevorzuge von meinem ultraleichten Zelt  aus einen traumhaften Ausblick auf Berge, See oder Wald. Da bin ich purer Ästhet. So einen Platz findet sich nicht immer. Aber oft genug habe ich an einem solchen Platz vorzeitig meinen Wandertag beendet. Diese Ausblicke werden zu Erinnerungen, die wir noch Dekaden später schwärmerisch vortragen werden. Mit diesem Bild im Kopf läuft es sich am nächsten Tag nochmal leichter und schneller.

 

 

So gut wie ich auf die Berge schaue, so gut bin auch ich vom Berg aus zu sehen. Oder anders, da wo es schön ist, sind Gleichgesinnte, die es dort auch schön finden. Meistens weil dort vielleicht auch ein offizieller Campground ist. Der eine will allein sein, auch dass sollte fairerweise akzeptiert werden, und der andere will nicht in großen Ansammlungen verweilen.

 

Auf einigen Langwandertrails in Nordamerika macht es Sinn, sich den Gebieten mit auf menschlicher Nahrung dressierten Bären zu entziehen. Sich die Zivilisation hierzulande wegzudenken, zeigt einem meiner Meinung nach ein wilderes Deutschland auf. Dafür bedarf es anderer Wege oder ein anderes Beschreiten der vorhandenen. In der Hochsaison auf bekannten Wanderwegen zu gehen, ohne über Wandervereine zu stolpern, ist so möglich.

 

 

Die Gesetzeslage ist was das Nächtigen anbelangt allerdings eindeutig. In Deutschland einfach so zu übernachten, Zelten, Lagern, Campen ist nicht drin. Da lässt sich auch kein Nationalpark-Ranger, Förster, Naturparkwächter oder übereifriger Anwohner auf eine Diskussion ein.

 

Sollte man doch einmal in die Verlegenheit eines Stealth-Camps kommen, sollte es als solches auch danach nicht ersichtlich sein. So wie man den Platz auffindet, so sensibel sollte man damit umgehen. Ich verwische buchstäblich meine Fußspuren.

 

Ein aufgeräumtes Lager erfreut nicht nur den Platzwart. Zumal im weiten Umkreis verstreute Ausrüstung bei plötzlichen Regen Zeit zum Einsammeln erfordert. Eine angebrachte Mülltüte signalisiert Verantwortungsgefühl. Kronkorken oder Verpackungen von Knicklichtern oder eine achtlos weggeworfene Bierdose sammle ich anderntags ein, auch wenn es nicht von mir stammt. Ich mag es einfach sauberer.

  

  

So, wir haben den Platz der Wahl? Sturzgefährdete Bäume gibt’s nicht? Und wenn, wohin würden sie kippen? Fehler in der Ausrüstung und Mangel an Erfahrung rächen sich leider bei Unwetter.

 

Dann sammeln wir den wurzelfreien Boden von Kienäppeln, Ästen oder Steinen frei. Auf dem so vorbereiteten Platz legen wir unsere ultraleichte Unterlage, darauf die leichte Isomatte und liegen Probe. Eine etwa 2 bis 3 cm tiefe Mulde in Höhe der Hüfte gescharrt wird mit einem himmelweichen Liegegefühl belohnt. Und dann?

 

Dann steht man einfach wieder auf und spannt sein Tarp drüber oder stellt sein Zelt darauf. Die Isomatte zieht man später hervor und bezieht sein Heim für eine Nacht.

 


 

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