Ab nach draußen - Tipps für das Wandern im Winter

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Ab nach draußen - Tipps für das Wandern im Winter

Text: Mara Biebow - trekking-lite-store.com │ Foto: Christoph Wedemann

Gutgelaunter Wanderer vor einem Wegweiser

Dass wir absolute Fans vom Wandern im Winter sind, haben wir ja schon mit dem letzten Blogartikel gezeigt. Es ist einfach ganz anders als das Wandern in den anderen Jahreszeiten. Das heißt aber auch, dass es ein paar Dinge gibt, auf die du beim Winterwandern besonders achten solltest. Einfach Loslaufen ist nämlich keine gute Idee. Damit du deine Wanderung durch die Winterlandschaft ohne Sorgen und Bedenken genießen kannst, haben wir einmal zusammengefasst, was zu einer winterlichen Tagestour dazugehört. Am Ende wartet eine praktische Checkliste zum Ausdrucken und abhaken auf dich. So kann nix schief gehen.



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Vor der Tour

Wanderer im Schnee

Gut geplant ist halb gewandert

Egal ob App mit interaktiver Karte oder klassische Papierkarte: Gerade in der kalten Jahreszeit ist eine gute Tourenplanung wichtig. An Inspirationsquellen für Winterwanderungen mangelt es dem Internet sei Dank ja überhaupt nicht. Unser Tipp: Sucht am besten nach Bloggern aus eurer Region oder scrollt euch durch die üblichen Foren. Zum Winterwandern gibt es außerdem Spezialreiseführer und je nach Ort werden auch geführte Winterwanderungen angeboten. Oder ihr nutzt die Gelegenheit, um mal durch einen Reiseführer eures Zuhauses zu blättern. Darin entdeckt ihr bestimmt auch etwas für den nächsten Spaziergang.

Denkt bei der Planung eurer Winterwanderung daran, dass die Tage kurz sind. Wenn der Himmel bedeckt ist, sind sie sogar extrem kurz. Checkt also lieber einen kürzeren Wanderweg aus und habt eine Stirn- oder Taschenlampe (mit vollen Batterien, und ja, da sprechen wir aus Erfahrung) dabei, falls es doch länger dauert. Gerade im Winter sehen selbst vertraute Wege anders aus und Markierungen verschwinden gern mal unter einer Schneeschicht. Wenn dann noch die Fußspuren der Vorgänger verwirren oder durch Neuschnee nicht mehr vorhanden sind, landet man leicht an einer völlig anderen Ecke, als man wollte. Ein GPS, ein Handy mit Navi-App und Powerbank oder die gute alte Wanderkarte helfen da aus der Patsche.

Noch ein Tipp für die Planung: Nicht den Weg unterschätzen. Eine Wanderung im Winter ist deutlich anstrengender als im Sommer, auch auf geräumten Winterwanderwegen. Zum einen aufgrund der Kälte, aber auch Schnee und Eis kosten Energie. Also lieber moderat anfangen, und von Tour zu Tour austesten, wie weit man gehen kann (Wortspiel nicht beabsichtigt).

Vorab checken

Der Wetterbericht in deiner Wanderregion gehört wahrscheinlich ohnehin zu deinen besten Freunden, oder? In lawinengefährdeten Regionen solltest du außerdem zwingend einen Blick auf den Lawinenlagebericht werfen. Besteht Lawinengefahr entlang deines Weges, wähle eine andere Route oder verschiebe die Wanderung. Die schönste Winterwanderung durch verschneite Landschaft ist es definitiv nicht wert, sich der Lawinengefahr auszusetzen. Generell solltest du vor der Wanderung jemandem Bescheid geben (Freunden, Bekannten, Rezeption, Herbergsmutti, ...), welche Tour du dir vorgenommen hast oder zumindest in welcher Gegend du unterwegs bist. Sicher ist sicher.



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Ich packe meinen Rucksack ...

Wanderer im Schnee

… und nehme mit: eine Thermoskanne, ein Ersatz-Shirt, ein Extra-Layer, ein Sitzkissen, …

Sicher hat jeder bei der Ausrüstung so seine eigenen Vorlieben. Ein paar Dinge sollte aber tatsächlich jeder mit dabei haben, der in der kalten Jahreszeit unterwegs ist.

Dazu gehört eine gut isolierende Thermosflasche. Selbst wenn du kein warmes Getränk mitnehmen möchtest (obwohl es kaum etwas besseres als heißen Tee auf dem Gipfel gibt), hält eine Isolierflasche dein Wasser davon ab, zu gefrieren. Neben Wasser/Tee gehört natürlich auch ausreichend Proviant in den Rucksack. Offene Hütten sind rar gesäht und meist völlig überfüllt.

Faustregel: Was immer du für eine Sommertour mitnehmen würdest, nimm mehr mit als das!


Eigentlich wollen wir beim Winterwandern vermeiden zu schwitzen (dazu kommen wir weiter unten). Dennoch lässt es sich manchmal nicht verhindern. Ein trockenes Ersatz-Shirt nimmt im Rucksack kaum Platz weg, ist leicht und verhindert wenn es hart auf hart kommt eine Unterkühlung. Auch ein paar Extrasocken finden bestimmt noch Platz. Falls die Schuhe doch nicht so wasserdicht sind wie gedacht, oder Schnee von oben hineingerät, musst du nicht den Rest der Wanderung mit nassen Füßen laufen.

Den Wanderpausen haben wir einen Extra-Abschnitt gegönnt. Für diese solltest du auf jeden Fall eine zusätzliche, isolierende Schicht dabei haben, denn besonders an schattigen Orten entlang deines Winterwanderwegs kann es richtig kalt werden. Isolierende Jacken mit Daunen- oder Kunstfaserfüllung lassen sich auf ein Minimaß komprimieren, sind leicht und schützen vor Auskühlung. Ebenfalls praktisch für die Pausen: ein kleines, isolierendes Kissen. Das schützt deinen Hintern zumindest eine zeitlang vor Kälte und Nässe.

Die Sonne im Winter ist tückisch. Der Schnee reflektiert die Strahlung fast vollständig und führt zu Sonnenbrand oder sogar Schneeblindheit. Eine fetthaltige Sonnencreme (die meisten Sommer-Sonnencremes enthalten zu viel Feuchtigkeit, gefrieren und schädigen so die Haut) und eine sehr gute Sonnenbrille schützen davor.

Wir kommen langsam in den alpinen Bereich, doch auch auf gerader Strecke sorgen Grödel oder Mikrospikes für sicheren Halt unter den Füßen. Grödel sind so etwas wie Mini-Steigeisen, die sich einfach unter die Schuhe schnallen lassen. Sie sind super leicht und wer sie einmal dabei hatte, mag sie nicht mehr missen. Versprochen. Inzwischen gibt es sogar Schuhe mit eingebauten Spikes, die man nach Bedarf heraus klappen kann. Auch Sohlen gespickt mit eingelassenen Textilflächen oder Glassplittern geben Extra-Halt auf dem Wanderweg. Als Ergänzung könnt ihr noch ein paar Trekkingstöcke an den Rucksack klippen. Ihr werdet euch auf steilen Stücken dafür danken. Wenn du abseits der wortwörtlich ausgetretenen Pfade unterwegs bist, solltest du auch über Schneeschuhe nachdenken.

Ein Multitool, ein Streifen Panzertape oder ähnliches helfen dir aus der Patsche, falls unterwegs ein Riemen reißt oder sonts was kaputt geht. Meist passiert das ja in den Momenten, in denen man nicht damit rechnet. Auf einer Tageswanderung vor der Haustür zum Beispiel.

Gerade wenn du in den Bergen und womöglich abseits der ausgetretenen Schneepfade unterwegs bist (ob zu Fuß oder auf Ski ist dabei egal), gehört ein Lawinenset ebenso zur Grundausstattung wie das Erste-Hilfe-Pack mit Rettungsdecke. Ein Lawinenset besteht aus einem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), einer Lawinenschaufel und einer Sonde. Bevor du dich in die Berge aufmachst, solltest du wissen, wie man mit diesem Set umgeht. Unter Umständen rettet es dir das Leben. Auf schwierigeren Strecken sind auch eine Eisaxt oder ein Eispickel hilfreich. Das ist allerding etwas für sehr Fortgeschrittene Winterwanderer und braucht Erfahrung.

Um all den Kram unterzubringen, sollte dein Rucksack ungefähr 15 bis 25 Liter fassen. Außerdem sollte er zumindest wasserabweisend sein. Alternativ streifst du eine Regenhülle über oder kleidest ihn mit einem Rucksack-Liner aus, um deine Sachen vor Schnee und Nässe zu schützen.



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Auf Winterwanderung

Wanderer im Schnee auf einem Bergkamm

Dresscode

Schichten, Layer, wie auch immer wir es bezeichnen wollen: Fakt ist, dass der Zwiebellook der Look der Winterwanderwege ist. Wichtig dabei ist, lieber mehrere dünne Schichten zu kombinieren, als wenige dicke. So kannst (und solltest) du während des Wanderns gut die Temperatur regulieren. Bei zu vielen oder zu dicken Schichten, kommst du ins Schwitzen. Schweiß ist Feuchtigkeit und verdunstende Feuchtigkeit auf der Haut lässt dich früher oder später frieren. Also lieber einmal mehr gestoppt und einen Layer aus- oder angezogen. Dabei kann man ganz wunderbar die Winterlandschaft um einen herum oder den Blick zurück ins Tal genießen.

Wie viele Schichten du brauchst, hängt sowohl von deinem Kältegefühl, als auch von dem Weg, den du wanderst ab (Bergauf wird dir wärmer, als als auf dem Weg ins Tal). Generell könnte man von drei „großen“ Schichten ausgehen:

Die erste Schicht liegt direkt auf der Haut. Sie soll also vor allem dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit von der Haut wegtransportiert wird. Baumwolle ist da eher ungeeignet. Sie saugt die Feuchtigkeit eher auf und sorgt für ein wenig gemütliches Gefühl. Funktions- oder Thermounterwäsche dagegen eignen sich gut.

Die zweite Schicht ist die eigentlich isolierende. Sie soll die Wärme am Körper halten. Hier greift jeder zum Material seines Vertrauens, gern auch in mehreren Lagen.

Die dritte Schicht soll dich gegen Wind und Wetter von außen schützen. Eine wasserdichte Jacke hält Regen und Schnee fern. Auch die Hose sollte wenn möglich wasserdicht sein. Alternativ kannst auch zu Gamaschen greifen. Die verhindern nicht nur durchweichte Hosenbeine, sondern halten auch den Schnee vom Inneren deiner Schuhe fern während du durch die verschneite Natur stapfst.

Schuhe

Auch wenn diese technisch gesehen zum Dresscode gehören, wollen wir ihnen trotzdem einen eigenen Absatz widmen. Schließlich kommt ihnen beim Winterwandern noch einmal eine neue Wichtigkeit zu, müssen sie sich doch gegen Schnee, Rutschigkeit und scharfkantigem Eis behaupten.

Die meisten Winterwanderschuhe sind schon von Haus aus wasserdicht und isolierend. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift noch zu extra Socken oder Isoliereinlagen (die gibt es sogar in „beheizbar“). Wichtig sind vor allem die Sohlen. Diese sollten stabil und rutschfest sein, um auch auf nicht geräumten oder vereisten Wanderwegen sicheren Halt zu geben. Wie oben schon erwähnt, gibt es sogar spezielle Sohlen mit eingelassenen Textilflächen, Glassplittern oder ausklappbaren Spikes.

Es müssen allerdings nicht zwangsläufig Winterwanderschuhe gekauft werden. Wer gute Wanderschuhe hat, die möglichst über den Knöchel gehen und so auch auf rutschiger Fläche genügend Stabilität bieten, kann diese in Kombination mit dicken Socken und Grödeln auch im Winter einsetzen.

Noch ein Tipp: Gamaschen halten den Schnee aus euren Schuhen fern. Außerdem sorgen sie dafür, dass sich die Hosenbeine nicht voll Wasser saugen.


Proviant

Auf einer Winterwanderung verbraucht der Körper deutlich mehr Energie, als im Sommer. Das heißt dein Proviant muss genug davon bereit stellen. Gewürze wie Ingwer oder Chili sorgen außerdem für Wärme von innen und regen die Durchblutung an. Kalte Finger und Zehen gehören dann der Vergangenheit an. Vorsicht bei Obst: Durch das enthaltene Wasser kann das frieren und dann hast du Apfeleis oder Banane-ohne-Stiel.

Eine weitere Schwierigkeit beim Winterwandern: Wir spüren Durst bei Kälte nicht so sehr und neigen dazu, weniger zu trinken. Da du das jetzt weißt, stellt das kein Problem mehr dar. Außerdem kann man es prima mit dem nächsten Punkt kombinieren.

Pausen

Pausen auf einer Winterwanderung kosten manchmal echt Überwindung. Kaum hört man auf sich zu bewegen, wird es kalt. Es gibt kaum schneefreie Sitzmöglichkeiten (deshalb: Sitzkissen!) und Einkehrmöglichkeiten oder geöffnete Hütten sind ohnehin rar gesäht. Trotzdem solltest du versuchen, viele kleine Pausen zu machen, statt einer ausgedehnten, bei der dein Körper komplett auskühlt. Die kurzen Wanderunterbrechungen kannst du für einen Schluck Tee oder einen Snack nutzen oder um einen Layer aus- oder anzuziehen.



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Wir werden jetzt mal unseren Rucksack packen und die Wanderschuhe schnüren. Zwar haben wir hier in Wismar keine verschneite Landschaft, aber die braucht man ja nicht, um Winterwandern zu gehen, neue Orte zu entdecken und die Natur zu erleben. Alles andere haben wir euch aufgelistet und verlinkt, wenn ihr das im Shop findet.

Und hier wie versprochen:

Die Checkliste zum Ausdrucken und Abhaken Die Checkliste zum Ausdrucken und Abhaken

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