Hilfe, mein Zelt ist undicht

Wenn nach einem Regenschauer das Wasser im Zelt steht, ist es schnell vorbei mit dem Spaß am Overnighter. Häufig sind es jedoch nur die Nähte, die im Laufe der Zeit verschleißen. Wir zeigen dir in sechs einfachen Schritten, wie du deine Zeltnähte abdichten kannst. Dann fällt die nächste Wanderung garantiert nicht ins Wasser.

Inhalt

  1. Warum wird mein Zelt undicht?

  2. Wichtig: Regen- oder Kondenswasser?

  3. Tape, Spray oder Paste – Womit dichte ich mein Zelt am besten ab?

  4. Wichtig: Welcher Nahtdichter für welches Zeltart?

  5. Zeltnähte abdichten – Die TLS-Anleitung

  6. Tipps und Tricks

  7. Mehr Informationen

Der Himmel ist grau. Seit dem Morgen regnet es ununterbrochen. Immerhin hast du deinen Lagerplatz gleich erreicht. Doch statt ins trockene Outdoor-Heim zu kriechen, stehst du vor einer Wasserpfütze. Schlimm genug, dass du den ganzen Tag durch den Regen gestapft bist. Jetzt leckt auch noch das Zelt! Du siehst die erholsame, trockene Nacht auf den Pfützen davon schwimmen.

Warum wird mein Zelt undicht?

In den meisten Fällen ist die Naht schuld daran, wenn ein Außenzelt oder Tarp Wasser durchlässt. 
Normalerweise quillt das Nähgarn bei Feuchtigkeit auf und verschließt das Nadelloch. 
Mit der Zeit und Beanspruchung verschleißt das Garn jedoch und die Nadellöcher weiten sich. Spannst du das Zelt oder Tarp ab, verschließt der Faden die Nadellöcher nicht mehr vollständig. Auch Nahtbänder, die die Nähte zusätzlich abdichten, lösen sich mit fortschreitendem Alter ab. Das Ergebnis ist ein undichtes Außenzelt und Feuchtigkeit im Innenraum.

Allerdings sind wasserdurchlässige Zeltnähte kein Problem und erst recht kein Grund, das treue Outdoor-Heim zu entsorgen. Mit Nahtdichtern kannst du einfach die Zeltnähte abdichten und beim nächsten Regen im Trockenen schlafen.

Wichtig: Regen- oder Kondenswasser

Bevor du mehrere Stunden mit dem Versiegeln der Zeltnähte verbringst, überprüfe kurz, ob sich nicht nur Kondenswasser gesammelt hat. Dafür lüfte dein Zelt gründlich durch, bis die Feuchtigkeit verschwunden ist. Danach simulierst du mit einem Gartenschlauch oder einer Gießkanne einen starken Regenguss. Drinnen bleibt es trocken? Herzlichen Glückwunsch, dein Zelt ist nach wie vor wasserdicht. Eine extra Imprägnierung der Zeltplanen schadet jedoch nicht. Tropft es durch? Dann ist es an der Zeit, die Zeltnähte abzudichten.

Tape, Spray oder Paste – Womit dichte ich mein Zelt am besten ab?

Zum kurzfristigen Abdichten beziehungsweise zur Reparatur einzelner Nahtabschnitte kannst du selbstklebendes Reparatur-Tape nehmen. Alternativ macht Panzertape einen guten Job. Zum dauerhaften Abdichten der Zeltnaht gibt es allerdings andere und bessere Möglichkeiten. Eine davon ist die Nutzung von Imprägnierspray, wie das von Granger Fabsil. Dieses sprühst du direkt auf die Zeltnaht auf. Ein netter Nebeneffekt: Der Zeltstoff um die Nähte herum wird gleich mit imprägniert und geschützt. 

Wem das nichts ist, der greift zum Nahtdichter aus der Tube.

Wichtig: Welcher Nahtdichter für welches Zelt?

Achte bei der Auswahl des Nahtdichters darauf, dass er für deine Zeltnaht geeignet ist. Zelte bestehen normalerweise aus einem Nylon- oder Polyester-Gewebe. Dieses wird unterschiedlich beschichtet. Zelte mit einer Polyurethan-Beschichtung (PU-Beschichtung) müssen mit einem anderen Nahtdichter behandelt werden, als Zelte mit einer Silikonbeschichtung.

Zeltnähte abdichten - Eine Anleitung

Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du dein silikonbeschichtetes Zelt mit dem GearAid SilNet Nahtdichter wieder wasserdicht bekommst. Ein Nahtdichter für PU-Beschichtungen, wie dem GearAid Seam Grip oder ein selbst angerührter DIY-Nahtdichter wird genauso aufgetragen.

Vorbereitung:

  1. Bevor es überhaupt losgehen kann, musst du das Zelt natürlich aufbauen. Achte darauf, dass du es gut abspannst. Die Nähte sollten unter Spannung stehen. So dehnen sich die Nadellöcher auf und der Nahtdichter kann tief eindringen.

  2. Nimm dir ein paar Minuten Zeit. Wo sind die Nähte? Gibt es Nähte an schwer erreichbaren oder versteckten Stellen? Mach dir besonders anfällige oder strapazierte Nähte bewusst. Klassischerweise sind das Stellen, an denen mehrere Nähte zusammentreffen oder sich kreuzen. Auch Abspannpunkte und Punkte, die unter besonderer Belastung stehen (durch Gestänge o.ä.) sowie Reißverschlüsse oder angenähte Schlaufen gehören dazu.

  3. Als nächstes steht Putzen auf dem Plan. Reinige alles gründlich und schenke den Nähten besondere Aufmerksamkeit. Normalerweise reicht ein nebelfeuchtes Microfasertuch aus. Lass alles gut trocknen.

Jetzt geht’s zur Sache:

  1. Mit einem kleinen Pinsel trägst du den Nahtdichter auf die Zeltnähte auf. Achte drauf, dass sich keine Kanten oder Nasen bilden, sondern ein gleichmäßig dünner Film entsteht. Dieser sollte etwas breiter als die Naht sein. Arbeite den Nahtdichter gut in die Naht ein, indem du mehrfach darüber streichst. Je gründlicher du bist, desto tiefer dringt der Nahtdichter in die Naht ein und desto langlebiger ist das Ergebnis.

    Manche Nahtdichter sind träge. Arbeite lieber langsamer und passe deine Arbeitsgeschwindigkeit dem Fließvermögen des Nahtdichters an.

  2. Dann heißt es: Abwarten und in Ruhe trocknen lassen. Wenigstens 6-8 Stunden und eher im Halbschatten als in der prallen Sonne.

    Währenddessen kannst du den nächsten Trip planen oder in Erinnerungen an den vergangenen schwelgen. (Beachte für die Trocknungszeit unbedingt die Herstellerangaben und warte im Zweifel lieber länger.)

  3. Am besten du testest nach der Trocknungszeit gleich, ob du alle Nähte getroffen hast. Wasserschlauch oder Gießkanne enthüllen schnell Stellen, die noch nicht dicht sind. So kannst du direkt nacharbeiten und erlebst beim nächsten Regen keine Überraschungen.

Tipps und Tricks

Arbeitsort

  • Arbeite bei gutem Wetter und stelle das Zelt draußen auf. Das hat gleich mehrere Vorteile: Die Dämpfe des Nahtdichters setzen sich nicht in den Wohnräumen fest, es trocknet schneller und Sonne steigert die Arbeitsmoral. Besonders letzteres ist bei großen Zelten mit vielen Nähten unerlässlich.

  • Auch wenn es verlockend ist: Verzichte darauf direkt in der Sonne zu arbeiten. Der Nahtdichter wird schneller zäh und lässt sich kaum noch ordentlich verstreichen. Das Ergebnis sind Nasen und Ecken auf der Zeltwand und oberflächlich abgedichtete Nähte.

Material und Verwendung

  • Die meisten Nahtdichter werden zusammen mit einem Pinsel geliefert. Wenn nicht, oder wenn dir dieser zu klein ist, kannst du zu jedem anderen Pinsel mit steifen Borsten greifen. Auch Makeup-Applikatoren aus Schaumstoff funktionieren einwandfrei. Im Notfall geht das Einarbeiten in die Nähte sogar mit Küchenrolle. Allerdings ist das Ergebnis eher unschön.

  • Nahtdichter lassen sich in der Regel unverdünnt verarbeiten. Du kannst die relativ zähe Paste aber auch verdünnen. Je nach Art des Nahtdichters nimmst du dafür entweder Spiritus (für PU-Beschichtung) oder Terpentinersatz bzw. Waschbenzin (für Nahtdichter auf Silikonbasis). Die Konsistenz sollte an Olivenöl erinnern. Der so verdünnte Nahtdichter dringt leichter in die Nähte ein. Er kann aber auch schneller neben die Naht tropfen.

  • Außen oder innen abdichten? Die Frage der Fragen. Unser Tipp: Dichte von außen ab. Dann kann das Wasser gar nicht erst in die Nähte eindringen. Außerdem sind die Nähte auf der Innenseite häufig versteckt, schwer oder gar nicht zu erreichen. Außen kannst du dir sicher sein, jede Naht zu treffen.

  • Wenn auch nach längerer Wartezeit die abgedichteten Nähte noch kleben, bestäube sie mit Talkum- oder Babypuder. Damit verhinderst du, dass die Nähte beim Zusammenpacken die Zeltplanen verkleben.

Extratipp vom Profi

  • Eine 28-Gramm leichte Tube GearAid Silnet im Gepäck, lässt dich unterwegs nicht nur eine undichte Zeltnaht und kleine Löcher behandeln. Auch Jacken, Packsäcke, Rucksäcke und andere (ultraleichte) Ausrüstungsgegenstände können damit schnell repariert und abgedichtet werden.

  • Solltest du Nahtdichter übrig haben, kannst du deine Isomatte mit einem einfachen Trick rutschfest machen. Einfach an zwei bis drei Stellen einen Klecks Nahtdichter auf der Matte auftragen und schon rutscht die Isomatte nicht mehr im Zelt.

Undichte Zeltnähte sind kein Grund, einen liebgewonnen Trekking-Begleiter zu entsorgen. Mit Nahtdichtern lassen sich Zelte und Tarps unkompliziert wieder abdichten und noch viele weitere Jahre nutzen. Auch bei verregneten Wanderungen.

Hast du noch einen Tipp? Was ist deine Geheimwaffe gegen undichte Zeltnähte?

Mehr Informationen

Steve von Tuba Solo the Hiker zeigt dir hier, wie du mit einem DIY-Nahtdichter dein Lunar Solo von Six Moon Designs abdichten kannst.

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