Trekking ultraleicht I

 

Was ist Trekking Ultraleicht?

Text und Fotos: Carsten Jost und Henrik Raßmann

Trekking Ultraleicht oder auch Ultraleichtwandern ist eine Form des Trekkings, bei dem die Reduzieruung des Gewichtes der Ausrüstung einer sehr hohe Priorität einnimmt. Man nennt es auch Ultralight Trekking, UL-Trekking, Superultraleicht Trekking usw. Die radikale Gewichtsreduzierung ergibt sich durch den Einsatz ultraleichter Zelte, Rucksäcke und anderer sehr leichter Trekkingausrüstung.

Man braucht etwas Erfahrung, aber der Spaß und der Komfort beim Durchstreifen der Landschaft sollen nicht zu kurz kommen. Denn Trekking ist eine wunderschöne Sache. Sich in atemberaubender Landschaft bewegen und eine Wildnis erleben, die uns im normalen Leben fremd geworden ist.

Abschalten und zur Ruhe kommen.

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Auf dem Pacific Crest Trail in den USA.

Aber ganz ehrlich, das machen wir ja nur früh morgens im Camp und dann wieder abends im Camp, weil man zwischendrin diesen super schweren Rucksack schleppen muss.

Das tolle Tragesystem meines Rucksacks schafft problemlos 25 kg, was meine Knie und später dann meine neu erworbenen Platt-Füße dazu sagen, fragt niemand. Offensichtlich gehört zum Trekking ein Stück Schinderei einfach dazu. Schließlich müssen wir in unseren ausgewachsenen Trekking-Rucksack ja einen Monsterschlafsack und vor allem ein Zelt reinpacken, dass uns vor allen erdenklichen Wettereinflüssen und vor allem auch Blicken von außen schützen kann. Eine riesige Kochausrüstung mit der man besser kochen könnte als zu Hause muss ebenso mit, wie mehrere Hosen und 1000 andere Sachen. Aua!

Wenn man sich auf längeren amerikanischen Wildnistrails bewegt, wundert man sich dann allerdings. Die meisten Trekker dort tragen vergleichsweise kleine Rucksäcke und machen nicht den Eindruck als würde Sie die Last, die sie tragen in irgendeiner Art und Weise stören. Viele von Ihnen haben allerdings entdeckt, dass gerade beim Trekking weniger oft mehr ist.

Aber kann das funktionieren? ich weigere mich das zu glauben. Das muss doch unbequem sein, mit so wenig unterwegs zu sein und diese leichte Ausrüstung hält doch bestimmt nicht?!

Hmmh...wenn so ein US-Leichttrekker mit seiner Ausrüstung mal gute 3500 km am Stück wie auf dem Appalachian Trail unterwegs ist und dafür 5 Monate braucht, scheint die Ausrüstung wohl den Anforderungen was Strapazierfähigkeit und Komfort angeht doch zu genügen.

Wie wird man also leichter und hat mehr Spaß am Trekking?

Für den ersten Punkt braucht man nicht einmal einen gut sortierten Trekking-Shop, der ultraleichte Sachen verkauft, sondern man lässt einfach nur Sachen zu Hause. Das kostet gar nichts.

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Der optimierte und ultraleichter Rucksack von Carsten für einen Langwandertrail.

Anstatt zu viel Wechselwäsche mitzunehmen, wäscht man seine Sachen öfter mit biologisch abbaubarer Seife unterwegs durch. Funktionsbekleidung trocknet ja schnell wieder.

Man nimmt nur eine Trekking-Hose mit und keinen Ersatz. Sollte man die Trekking-Hose mal waschen müssen, kann man in der kurzen Trocken-Zeit auch seine Regenhose so anziehen. Mehr als 3 Unterhosen (eine am Körper und zwei als Ersatz) sind nicht nötig. Man zieht ein T-Shirt an und nimmt ein Langarm-Shirt in den Rucksack. Auch das reicht, vor allem dann, wenn man Shirts aus Merinowolle nimmt, die selbst nach Tagen nicht riechen.

Hat man seinen Kleiderschrank für die Tour ein bisschen verkleinert und ein wenig auf das Gewicht geachtet, kann man sich die 4 schwersten Ausrüstungsgegenstände anschauen. Hier kommt dann doch der freundliche Trekking-Shop ins Spiel, der einem leichte Alternativen nennen kann.

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Rucksack: Granite Gear Blaze A.C. Ultraleicht-Rucksack 1220
Schlafsack: Cumulus LiteLine 400770
Isomatte: Therm-A-Rest Z-Lite380
Zelt: MSR Hubba NX Tent1120
Gesamt: Gesamt3490 

Interessant an dieser Stelle ist auch, dass wir keinen ultra leichten Rucksack ausgewählt haben, der kein Gewicht verträgt, sondern ein normal leichten, der auch noch Lasten um die 15 Kilo gut verträgt. Das Zelt ist wasserdicht, bietet viel Raum und schütz vor Mücken und anderen Insekten. Die ultraleichte Isomatte ist bequem, leicht und der Leicht-Schlafsack warm und kuschelig. Wir haben also keinen Komfort verloren, dafür aber weniger zu schleppen. In Summe haben wir noch mehr Komfort, weil uns ein leichter Rucksack unterwegs weniger belastet.

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Das ShangriLa 2 von GoLite in Schweden.

Wie leicht das eigentlich ist einen leichteren Rucksack zu haben ist doch erstaunlich, oder?

Und man kann auch an anderen Stellen problemlos Gewicht einsparen. Trekking-Jacken wiegen oft 700-800 Gramm, wobei ein für Trekking funktionierender Regenschutz nicht mehr als 400 Gramm wiegen muss. Im Kocherbereich sieht man oft schwere Benzinkocher oder riesige Trangia-Sturmkocher. Für normales Trekking zwischen Frühling und Herbst ist das der Ausrüstungs-Overkill. Für 2 Personen reicht ein kleiner leistungsstarker Gaskocher und ein leichter Topf mit 1,5 Liter Fassungsvermögen, bei ca. 200 Gramm Gewicht.

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Leichtes Essen für unterwegs.

Die Isomatte muss nicht zwingend eine Länge von 180 cm haben, oder? Es gibt sogenannte ¾-Matten mit denen man gegenüber einer normalen Matte sofort 25% Gewicht spart, ohne Komforteinbuße. Man legt seinen Kopf auf ein Kissen (Fleece-Jacke oder leerer Rucksack), Schulter-Hüfte-Knie auf die Matte und die Füße liegen wieder auf dem wasserdichten Zeltboden.

Und wissen Sie was passiert, wenn man ein bisschen auf sein Ausrüstungsgewicht achtet? Sie bringen eine positive Gewichtsspirale in Gang!

Mit weniger Gewicht kann man ohne Mehranstrengung weiter laufen. Das bedeutet, dass man auch weniger Lebensmittel und Wasser mitnehmen muss. Auch dieses Gewicht nimmt somit ab und man ist wieder leichter unterwegs.

Wenn man diese Gewichtsspirale weiter in Fahrt bringt, kann man außerdem bei den großen 4 Ausrüstungsgegenständen zu noch leichteren Alternativen greifen. Anstatt dem Golite Quest ist dann z.B. der Golite Jam mit nur 880 Gramm tragbar. Nochmal 600 Gramm gespart.

Aber stopp! Bevor es zu leicht wird, möchten wir, dass Sie einfach erst mal mehr Spaß durch weniger Gewicht haben, ohne gleich extrem zu werden.

Noch leichter und trotzdem robust?

Ultraleicht und doch robust ist leicht möglich, wenn man zudem noch seinen gesunden Menschenverstand einsetzt und Informationen über seinen Tourengebiet in seine Planung miteinbezieht.

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Der Brückenschlag zum Ultraleichtwandern.

Schweden ist z.B. bekannt für seine Mücken. Im September einer für Schweden noch sehr schönen Reisezeit sind diese oft allerdings schon verschwunden und die Trails sind auch nicht mehr so überlaufen. Hier kann dann anstatt eines Zeltes mit Moskitonetz und allem Drum-und-dran auch ein Zelt ohne Netz mitgenommen werden. Mit dem Golite Shangri-La 2 (680 Gramm) spart man gegenüber einem normalen Zelt sogar 1820 Gramm.

Selbst bei 14 tägigen Trekking-Touren liegen zudem oft die Verpflegungsstationen, also Ortschaften in denen man Lebensmittel einkaufen kann, nur wenige Tage auseinander. Somit muss nicht Essen für 14 Tage, sondern vielleicht für 3-4 Tage getragen werden. Ein leichterer robuster Rucksack wie der Golite Jam mit 880 Gramm spart uns 1800 Gramm gegenüber einem normalen Trekkingrucksack. In der Nebensaison (ohne Mücken) kann man somit z.B. auf dem West Highland Way in Schottland leicht, robust und äußerst bequem unterwegs sein.

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Carsten Jost auf dem Nordkalottenleden in Schweden.

Über den Autor

Carsten Jost ist neben dem 3500 km langen Appalachian Trail, dem 4200 km langen Pacific Crest Trail und dem 800 km langen Nordkalottleden in Lappland unzählige Touren mit ultraleichter Ausrüstung gelaufen. Ob schwedisches Fjell, die schottischen Highlands oder Trails in den USA, sein Moto ist: ultralight is ultraright :-)

Neben seinen Touren arbeitet Carsten seit ca. 10 Jahren im Outdoor-Einzelhandel und kennt markenübergreifend ultraleichte Produkte und Materialien. Neue Produkte im harten Outdooreinsatz zu testen macht ihm eine Menge Spaß.

Im Allgäu veranstaltet er auch seinen Wochenendkurs "Trekking leicht gemacht". Anfragen hierzu nehmen auch wir gerne an.

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Trekking ultraleicht at is best.